© Weser-Kurier, 9.12.04

Demo gegen Zwangsbehandlung
Ehemalige Psychiatrie-Patienten wollen Gesetzesvorhaben stoppen

Von unserer Redakteurin
Rose Gerdts-Schiffler

"Was ich hier heute mache, würde mein Vater als manisch bezeichnen",
sagte gestern ein Demonstrant vor dem Dienstgebäude des Justizsenators
im Richtweg und hielt entschlossen ein Plakat in die Höhe. Hintergrund
der kleinen Demonstration, zu dem der "Landesverband Psychiatrie
Erfahrener" aufgerufen hatte, ist die geplante Änderung im Psychisch
Krankengesetz, dem so genannten PsychKG. Wird das Vorhaben Gesetz, soll
künftig in Bremen die Schwelle, jemanden gegen seinen Willen einweisen
und behandeln zu lassen, gesenkt werden. Zudem soll die Behandlung als
richterliche Auflage auch ambulant möglich sein.

Rund 40 Demonstranten, viele von ihnen ehemalige Psychiatrie-Patienten,
wehrten sich gestern vehement gegen das Vorhaben. Ihr Hauptargument:
Aufgrund zweier "krasser Ausnahmefälle", gemeint sind zwei
Tötungsdelikte, sollen nach ihrer Ansicht künftig die Rechte aller
psychisch Kranken beschnitten werden. So heißt es in dem Entwurf, eine
Gefahr bestünde dann, "wenn infolge der psychischen Erkrankung ein
schadenstiftendes Ereignis bereits eingetreten ist, unmittelbar
bevorsteht oder zwar unvorhersehbar, wegen besonderer Umstände jedoch
jederzeit zu erwarten ist".

Dies würde Willkür Tür und Tor öffnen, so die Kritik der Demonstranten.
Vor der aktuellen Debatte in Bremen werde vergessen, dass bundesweit 500
Patienten jährlich an den Nebenwirkungen und Überdosierungen von
Psychopharmaka stürben. Zudem sei die Selbstmordrate unter Patienten ,
sehr hoch, die Neuroleptika erhielten. "Wir sind nicht grundsätzlich
gegen Psychiater", betonte Thorsten Mährländer, Vorsitzender des Vereins
"Psychiatrie Erfahrener". Wer eine Gefahr für die Öffentlichkeit
darstelle, gehöre auch in die Psychiatrie. Die tragischen Fälle aus
jüngster Vergangenheit hätten jedoch auch auf Grundlage des heutigen
"PsychKg" vermieden werden können. Die zuständigen Stellen hätten aber
in beiden Fällen schlampig gearbeitet.

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